Die Anfahrt gehört dazu. Zwischen Steg und Ankerplatz liegt eine gute halbe Stunde, in der nichts passiert außer Wind, und genau in dieser halben Stunde wird die Kamera eingestellt, das Gehäuse zweimal geprüft und über nichts geredet. Wer sofort ins Wasser springt, filmt hinterher hektisch. Wir lassen die Fahrt deshalb mitlaufen, auch wenn davon selten mehr als ein paar Sekunden übrig bleiben. Zum Ritual gehört, dass vorher niemand ins Wasser schaut: Wer schon von Deck aus sucht, ist unter der Oberfläche nur noch enttäuscht.
Segel auf dem Meer
Wasserwege
Unter der Oberfläche ändert sich zuerst das Licht. Es kommt nicht mehr von oben, sondern von überall, und alles, was weiter als ein paar Meter entfernt ist, verliert seine Kontur. Ein Riff sieht auf den ersten Blick aus wie ein Stillleben. Nach zwei Minuten stimmt das nicht mehr: Irgendwo zuckt etwas, ein Schwarm dreht geschlossen ab, und was eben noch Stein war, zieht sich zurück.
Auch die Entfernungen stimmen nicht. Was man greifen möchte, ist einen Armlängen weiter weg, als es aussieht, und die erste Aufnahme jedes Tauchgangs ist bei uns verlässlich zu nah dran.

Tiefsee Wunder
Wasserwege
Deshalb bewegen wir die Kamera hier langsamer als überall sonst. Jede schnelle Schwenkbewegung verwischt die Farben, jede unbedachte Flosse wirbelt Sand auf, der die nächsten Minuten kostet. Am Ende steht meist eine einzige lange Einstellung, in der scheinbar wenig passiert — und in der man beim zweiten Ansehen entdeckt, wie voll das Bild eigentlich ist.
Der Rückweg ist dann kurz. Auftauchen, Maske hoch, und über dem Wasser ist wieder nur Fläche, unter der man jetzt weiß, was liegt.

Korallenriff-Tiefseeabenteuer
Wasserwege
"Über Wasser ist alles Oberfläche. Man muss schon hinunter, um zu merken, dass da jemand wohnt."
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