Es gibt in jedem Handwerk einen Punkt, an dem das Werkzeug aufhört, ein Gegenstand zu sein. Davor korrigiert man ununterbrochen: zu tief angesetzt, zu schnell gezogen, die Hand verkrampft. Danach denkt man nicht mehr über den Stichel nach, sondern über die Linie, die entstehen soll. Der Weg dorthin ist lang, unglamourös und nicht abzukürzen.
Beim Graveur sieht man diesen Punkt an den Schultern. Sie sind ruhig. Die Arbeit passiert in Fingern und Handgelenk, der ganze übrige Körper hält nur still. Das Kupfer gibt dabei ein feines, trockenes Geräusch von sich, das eher nach Papier klingt als nach Metall. Wer zum ersten Mal danebensteht, wundert sich meistens darüber, wie leise das alles ist.

Der Künstler am Werk
Klangfarben
Wiederholung ist nicht das Gegenteil von Einfall
In Gesprächen über Kunst hat Wiederholung einen schlechten Ruf. Sie gilt als das, was übrig bleibt, wenn einem nichts mehr einfällt. In den Werkstätten und Proberäumen, in denen wir filmen, ist es genau umgekehrt: Wiederholung ist die Bedingung dafür, dass ein Einfall überhaupt umgesetzt werden kann. Wer den Pinselstrich nicht sicher hat, kann sich keinen aussuchen.
Die Malerin, bei der wir im Atelier waren, arbeitet mit den Händen direkt am Bild. Farbe landet dabei zwangsläufig auf ihr selbst, an den Unterarmen, an den Schultern, im Haar. Sie wäscht sie erst am Abend ab — nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil jede Unterbrechung sie aus dem Bild herausholt. An den Spuren lässt sich ziemlich genau ablesen, wie lange sie schon steht.

Farbige Künstlerin
Klangfarben
"Ich habe dieselbe Linie tausendmal gezogen. Die tausendunderste ist die, die ich meine."
Drums of Energie
Klangfarben
Auf der Bühne läuft derselbe Vorgang nur schneller ab. Ein Griffwechsel, den jemand zehntausendmal geübt hat, kostet ihn keine Aufmerksamkeit mehr — und genau die frei gewordene Aufmerksamkeit geht an den anderen, der neben ihm den Takt hält. Zusammenspielen kann nur, wer mit dem eigenen Instrument fertig ist.
Deshalb liegen bei uns Werkstatt und Konzertsaal im selben Kanal. Es ist dieselbe Sache: eine Bewegung so lange wiederholen, bis sie einem gehört, und dann etwas damit sagen.
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